March 25, 2005
Zweiter Leserbrief
Sehr geehrter Herr Mrozek, einige Kommentare zu Ihrem Artikel auf SpiegelOnline:
"Rachmonow hat es bisher geholfen, dass in Usbekistan etwa 30.000 Menschen aus politischen Gründen hinter Gitter sitzen."
- Der Präsident Usbekistans heißt Islam Karimow. Rachmonow ist Präsident Tadschikistans.
"Aber alle großen Figuren der jetzt siegreichen Opposition sind Vertreter der Nomenklatura, der Hauptstadt und des Nordens. Sie werden es auf dem Lande und im Süden genauso schwer haben, Unterstützung zu finden wie Akajew."
- Die sich im Moment als Opposition (und zusehends Interimregierung) profilierenden Personen kommen alle aus unterschiedlichen Regionen. Kulov stammt aus Bishkek, Otunbaeva aus Osh, Beknazarov aus Aksy, und Bakiev aus Jalalabad und Ishenbai Kadyrbekov stammt aus dem südostlichen Naryn. Die Protestwelle ist vom Süden aus nach Bishkek übergeschwappt. Viele der Demonstranten sind in Bussen eigens aus Osh und Jalalabad nach Bishkek gekommen.
"Im Süden, im Ferganatal bei Osch gibt es islamisch inspirierte Untergrundgruppen, die sich in den Bürgerkriegen von Tadschikistan und Afghanistan ausreichend viel Kampferfahrung antrainiert haben. Als destabilisierendes Element wirkt zusätzlich der lang schwelende Hass zwischen Kirgisen und Usbeken, der sich 1990 zu blutigen Pogromen gegen die usbekische Minderheit entladen hatte."
- Auf kirgisischem Staatsgebiet hat die IMU (Islamic Movement of Uzbekistan) keine Trainingsbasen und auch wenige Unterstützer. Es ist in den letzten Jahren eh ruhig um diese Terroristen-Vereinigung geworden. Auch in Batken, im Sommer 2000 und 2001 Schauplatz heftiger Kämpfe zwischen Regierung und Rebellen, herrschen wieder völlig normale Verhältnisse. Wenn die IMU noch aktiv ist, so ist sie das vornehmlich im tadschikischen Badachschan oder im Norden Afghanistans.
Auch die inter-ethnischen Spannungen die sie ansprechen, sind etwas weit hergeholt. Die Osh-Krise 1992 war eine schreckliche und blutige 'Ausnahme'. Seither sind beide Seiten eher um Aussöhnung bemüht. Auch die Proteste in Jalalabad und Osh bereiteten dessen Ausdruck: Kirgisen und Usbeken waren vereint auf den Straßen zu sehen (http://www.registan.net/?p=4783).
Ansonsten jedoch gefiel mir Ihr Artikel sehr gut; er war bis jetzt die beste Analyse zum Thema auf SpiegelOnline.
Mit freundlichen Grüßen,
Benjamin Paarmann
Posted by Ben at March 25, 2005 06:20 PM