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September 27, 2004
Eine neue Kulturrevolution in Chinas Wildem Westen
Sorry for taking Schwartz' long-awaited update from the top-position! Read it now.

Nach endlosen Tagen durch die Weiten der unbarmherzigen Wüste erreichten zahllose Händlerkarawanen auf dem Weg nach Westen Kaschgar – das Tor zur
Taklamakan, der ‚Wüste ohne Wiederkehr’. Von Ost und West brachten die Händler nahezu alles mit sich, was in der damals bekannten Welt zu finden war. Die Wagen waren voll kostbarer Waren wie Seide und Edelsteine, aber auch Religionen wie Islam und Christentum konnten sich über die Seidenstraße, ein zusammenhängendes Netz von Handelswegen zwischen Europa und China, leicht ausbreiten. Kaschgar, wegen der strategisch günstigen Position zwischen Pamir, Taklamakan und Karakorum, befand sich auf allen Landkarten damaliger Entdecker und Händler. Marco Polo, der im dreizehnten Jahrhundert hierher reiste, war begeistert von der Fülle der angebotenen Waren und sichtlich angetan von den hiesigen Nudeln. Kulinariker streiten seitdem, ob Pasta nicht aus den entlegenen Fernen Mittelasiens kommen könnte.
Mit dem Versiegen der Seidenstraße durch die zunehmende Schiffbarkeit der Seewege zwischen Europa und dem Fernen Osten verschwand Kaschgar zusehends in der geschichtlichen Bedeutungslosigkeit und tauchte erst Ende des 19. Jahrhunderts wieder auf. Diesmal in den Planspielen russischer und britischer Emissäre in Mittelasien und Britisch-Indien: Das ‚Great Game’, großes Spiel der beiden damaligen Supermächte, wurde ein bedeutendes Kapitel lang in Kaschgar gespielt; dort wo Yakub Beg, exzentrischer König Kaschgarias mit aller Gerissenheit versuchte, die beiden europäischen Mächte gegeneinander auszuspielen. Heute zeugen noch die beiden Konsulate von der aufregenden Zeit, die letztlich in einem geostrategischen Patt endete und Kaschgar an die vorrückenden Chinesen fallen ließ.
Mit rund 400,000 Einwohnern ist Kaschgar heute eine der fünf größten Städte
Xinjiangs, Chinas größter und mit 20 Millionen Menschen am wenigsten besiedelten Provinz. Sie grenzt an sechs andere Staaten, manche von ihnen erst seit dem Ende der Sowjetunion unabhängig. Gerade die benachbarten zentralasiatischen Republiken Kasachstan und Kirgisien verbinden mit Xinjiang ein historisches Erbe: Genauso wie Kirgisen und Kasachen gehören die Uighuren, die bevölkerungsreichste Völkergruppe Xinjiangs und ursprüngliche Bewohner der Region, zu den mittelasiatischen Turkvölkern. Außerhalb des Milliardenreiches China, das derzeit ganz andere Schlagzeilen macht, ist diese ethnische Vielfältigkeit (in ganz China gibt es insgesamt 51 verschiedene Volksgruppen) ein kaum bekannter Fakt, noch dazu wenn das Volk der Uighuren fernab der boomenden Metropolen die Oasen im ‚Wilden Westen’ bewohnt. Diese Gegend ist, seitdem die Seidenstraße ihre Bedeutung verloren hatte, in Europa so unbekannt wie sagenhaft geblieben – ein schwarzes Loch in den landumschlossenen Weiten Mittelasiens.

Die ersten Chinesen überquerten schon früh die endlose ‚Wüste ohne Wiederkehr’ – die ehrfurchterregende Taklaman, nach der Sahara die zweitgrößte Sandwüste der Welt. In Kashgar, Yarkand und Hotan siedelten sie als Händler – und sorgten zusammen mit Tadschiken, Usbeken, Turkmenen und vielen anderen Völkern für ein ethnisches Kaleidoskop, das noch heute bestaunt werden kann. Der massenhafte Zuzug von Han-Chinesen begann jedoch erst nach der Gründung der Volksrepublik China 1949. Mitte der fünfziger Jahre wanderten jährlich an die 250,000 Chinesen in die Oasen Xinjiangs, 1959 sogar eine Million, um dem Hunger weiter im Osten zu entkommen. Uighuren bilden heute mit rund 45 Prozent zwar immer noch knapp die Mehrheit der rund 20 Millionen Einwohner, unausweichlich jedoch blieb der Zuzug von Millionen Neuankömmlingen nicht ohne soziale und wirtschaftliche Folgen für die ursprünglichen, islamischen, Bewohner.
Es ist ein Sonntag in Kashgar - Markttag -, und die Sonne brennt gnadenlos vom Himmel. Die Gerüche exotischer Gewürze und Speisen betäuben die Sinne. Ein endloses Gewühl von Menschen, Eselgeschrei, das Hupen der verzweifelten Taxifahrer – man verliert leicht die Orientierung auf dem heute noch größten Markt Zentralasiens. In einem schier endlosen Labyrinth von Gassen mag der Einheimische alles schnell und bequem finden und bekommen, der Fremde jedoch fühlt sich etwas hilflos und betäubt angesichts der orientalischen Mystik dieses Ortes.
Eine Art von Orientierungslosigkeit schien auch die chinesische Verwaltung von Kaschgar beschlichen zu haben. Um dem ‚orientalischen Chaos’ des Marktes Herr zu werden, sowie das rege und bunte Handeln etwas mehr Ordnung und Effizienz zu unterwerfen, errichtete man 2003 flugs einen betonierten und überdachten Markt – mit dem Charme einer Autobahnraststätte, Notausgänge und Klimaanlage inklusive. Der „Central Asia International Market Kashgar“ erstreckt sich auf einer Fläche von gut 500 mal 500 Metern, ein zweiter Komplex befindet sich im Bau. Dieser soll zwar den Fortschritt Xinjiangs innerhalb des chinesischen Wirtschaftswunders symbolisieren, aber dieser gesichtslose Komplex erzeugt beim Betrachter nur ein Gefühl von Beklommenheit. Willkommen in Kaschgar, Zeuge einer neuen chinesischen Kulturrevolution - subtil und lautlos - jedoch chinesisch-effektiv in Geschwindigkeit und Gründlichkeit.
Die traditionellen Lebensformen der Uighuren werden auf breiter Front attackiert. Für Jahrhunderte beheimatete der Markt im Zentrum der Stadt auch eine Viehsektion. Herden von Schafen, Ziegen, Yaks, Kamelen, Pferden und Eseln strömten jeden Sonntag in das Stadtinnere und verwandelten die Straßen in ein aufregendes, ohrenbetäubendes Potpourri. Jedoch auch dies war der chinesischen Stadtverwaltung ein Dorn im Auge. Der Viehmarkt befindet sich nun außerhalb der Stadtgrenzen, eingefaßt in Betonmauern stehen die Tiere angebunden in Reih und Glied. Das Ausmaß dieser Umsiedlung erschließt sich dem unerfahrenen Beobachter kaum. Die Mechanismen eines jahrhundertealten Marktes scheinen sich jedoch auch dem Verständnis der ordnungsliebenden Chinesen zu entziehen: Die sozioökonomischen Folgen dieser Umsiedlung jedoch sind unabsehbar. Viele Viehhändler haben Angst, offen zu sprechen, da sie politische Repressionen befürchten müssen. Nur vereinzelt finden sie vorsichtige Worte, ihrer Kritik praktisch Anschauung zu verleihen: „Schauen Sie auf den Boden, der Untergrund ist viel zu steinig, um hier Pferderennen zu veranstalten. Wie kann man denn guten Gewissens ein Pferd kaufen, ohne vorher damit zu reiten?“
Beim Laufen durch die Stadt fällt unmittelbar auf, daß man sich zwischen zwei Städten hin- und herbewegt. Die Reise beginnt in Kashi – Kaschgars chinesischer Name: Weite Boulevards, die obligatorische Mao-Statue auf dem ‚Platz des Volkes’ und eine Unzahl von chinesischen Werbetafeln, auf denen bildschöne Han-chinesische Models Mobiltelefone, Waschmittel und Versicherungen preisen, lassen vergessen, daß Kaschgar eine uighurische Stadt ist. Das chinesische Wirtschaftswunder ist auch hier, in der fernen Provinz eindrucksvoll zu bestaunen. Vor einer Schule versammelt sich eine Mädchenklasse, um in Zweierreihen einen mit sozialistischer Kampfmusik unterlegten Appell zu absolvieren. Über den blumenbesetzten Hauptplatz flanieren gutgekleidete Frauen aus der Mittelklasse. Von den Uighuren, die sich in Hautfarbe und Gesichtszügen von den Chinesen gänzlich unterscheiden, fehlt fast jede Spur.
Nur einige hundert Meter weiter ändert sich das Bild vollends. Man erreicht das eigentliche Kaschgar – und betritt sofort eine andere Welt. Der Hauptplatz der ursprünglichen Siedlung wird von der 500 Jahre alten Id-Kah Moschee dominiert. Zu besonderen Feiertagen wie dem Ramadan versammeln sich hier bis zu 50.000 Menschen. Nur ein Bruchteil der Gläubigen paßt dann in die Moschee. Der Rest drängt sich auf dem Platz, um den Muezzin möglichst gut verstehen zu können, wenn dessen Worte aus den zahlreichen Lautsprechern klingen. Auf dem Dach eines gegenüberliegenden Hauses prangt eine politische Botschaft: ‚Die Völker Chinas leben in Eintracht und Harmonie’. Soweit stimmt das für den Moment, wenn auch kein einziger Chinese zu sehen ist.
Der Einfluß der chinesischen Kulturpolitik wird an zwei verschiedenen Vierteln der Altstadt überdeutlich. Der erste Gang führt durch einen ursprünglichen, fast unangetasteten Teil der Stadt. Die uighurische Architektur verschließt sich dem eilig Vorbeiziehenden. Die Häuserfassaden sehen fade und brüchig aus, die Bauwerke, deren Lehmwände nur minimalistisch durch Fenster aufgelockert werden, erscheinen wie Klötzer. Doch ein Blick hinter die Eingangstüren eröffnet einem den wahren Reichtum dieser Bauweise: Fast mediterran wirken mit dem Betreten die großzügigen Innenhöfe, begrünte Treppen führen zu den oberen Geschossen. Die Bauweise spendet Schatten und angenehme Kühle im heißen Sommer, im Winter ermöglicht sie ein leichteres Speichern der Wärme.
Vor einer jahrhundertealten Madrassah stehen Pappeln wie im Spalier und sorgen für ein angenehmes Klima. Der Islam hat hier eine lange Tradition – dennoch ist Toleranz ein wichtiges Fundament innerhalb der uighurischen Gesellschaft. Frauen sind unterschiedlich stark verschleiert – mal verdeckt ein leichtes Tuch die Haare, mal verhüllt die Burka die ganze Person von Kopf bis Zeh. Die Straßen in diesem Viertel sind voller Aktivität, Eselskarren transportieren Waren zum und vom Markt, alte Männer sitzen vor den Häusern und führen lautstark Diskussionen. Kinder spielen in den labyrinthischen Gängen des verwinkelten Quartiers. Man kann sich vorstellen, daß das Leben vor Hunderten von Jahren nicht wesentlich anders gewesen war.
Nach dem Überqueren die Hauptstraße betritt man den touristisch ‚aufbereiteten’ Teil der Altstadt. Der Eintrittspreis von umgerechnet einem Euro soll dabei helfen, die Gebäudestrukturen instand zu halten. Die Abschottung des Quartiers hat jedoch einen anderen Effekt: Die Straßen sind im Vergleich zum anderen Viertel wie ausgestorben, nur vereinzelt säumen chinesische Touristen mit neuen Digitalkameras den Weg, Einheimische sieht man kaum. Fast jedes Haus ist mit Schildern bestückt, die ‚traditionelle Handwerkskunst’ der Uighuren bewerben, wovon man auch reichlich einkaufen kann. Es scheint, daß die für die Behörden einzig akzeptable Lebensweise der Uighuren eine Verkümmerung zu touristisch aufbereiteter ‚Traditionalität’ darstellt. Andere Gegenden der Altstadt sind den Stadtplanern ein Dorn im Auge, viel Bauland wurde schon von Bulldozern eingeebnet. „Es ist wie ein rauschender Fluß, den der Mensch in ein künstliches Bett umleitet, um ihn zu zähmen“, sagt Muamar, 23. Nur geht es hier nicht um einen Wasserweg, sondern um ein ganzes Volk mit tausendjähriger Geschichte und Kultur.
Die Resignation vieler junger Uighuren entlud sich in Unabhängigkeitsbestrebungen – politischer, aber auch terroristischer Natur. Seit dem 11. September 2001 hat sich das Durchgreifen der chinesischen Regierung gegenüber den ‚Dissidenten’ verhärtet, da es die Behörden vermögen, die Separationsbestrebungen in ihrem Hinterland in den Kontext des internationalen Terrorismus zu bringen. Todesurteile gegen politisch Andersdenkende gehören leider zur Tagesordnung. Die Mehrheit der Uighuren hat jedoch mit der gewaltsamen Opposition nichts am Hut – zu groß ist die Angst vor den omnipräsenten Sicherheitsdiensten. Die Lautlosigkeit und Effektivität, mit der die Umformung des traditionellen Lebensraums der Uighuren vonstatten geht, lähmt vielerorts die Artikulationsfähigkeit. Fraglich ist, wie lange noch. Wirtschaftswachstum und allgemeiner Aufschwung im Riesenreich gehen hauptsächlich zugunsten der zugezogenen Chinesen. Es ist schwierig, den Sorgen und der Wut der Uighuren nicht sympathisch gegenüberzustehen. Die subtile und rücksichtslose Vorgehensweise Pekings kann auf die lange Sicht den ‚rauschenden Fluß’ nicht umleiten, sagt doch ein chinesische Sprichwort: “Den Strom eines Flusses mit der Klinge eines Messer zu stoppen, macht ihn nur noch stärker.“
September 06, 2004
A fragmented land

When my colleagues from IFES asked me whether I was interested to visit a summer camp in the remote Kyrgyz South-West, it didn't take me long to agree. The area had gained a dangerous reputation for various reasons. It was here where Japanese geologists were held hostage in 1999 and where insurgents from the Islamic Movement of Uzbekistan (IMU) tried to access Uzbekistan (see map) - and faced stiff resistance by Kyrgyz security forces.
Since then, all embassies in Kyrgyzstan warn tourists not to visit the Batken oblast, which comprises Kyrgyzstan's South-East and is squeezed in between Uzbekistan and Tajikistan. Having a concrete aim and Kyrgyz accompaniment, I thought it can only be safe travelling there. I was right. However, the problem did not lie in a threat from hostile insurgents but in the nature of this stretch of land. The cars whose drivers try to cope with a Soviet infrastructure grid and a territorial hodgepodge of enclaves lead to a style of travelling where time does not play an important role anymore. It is the getting there, which turns to be the most important thing.
Having arrived in Osh with an old Antonow Turboprop machine, it took me comparatively long to find a taxi which would take me on the 6-hour drive to Batken. Simply put, my problem was that I am a foreigner. All foreigners in Kyrgyzstan have to have an Uzbek Visa to cross the Sokh enclave (see the enclave to the right of Batken on the map) - whereas Kyrgyz citizens can momentarily do so without any regulations. This obstacle prove to be the main headache, as the alternative route was only partly paved and the taxi driver, whom I eventually found with the help of IFES staff from Osh, did not seem to own a 4WD... Instead, his car was a wreck that would scarcely have made the normal tour, either. A 20-year-old Lada Nova, which we had to push-start everytime the motor went off, should be my mean of transportation for the next 17 hours.
(I covered the endless journey in a seperate entry here, so I won't have to reformulate the strain all over again. If you have problems reading the German, let me say just that: It was exciting and the most exhausting road-trip I've ever made.)
Talking to friends in Bishkek, they found that this sort of travel experience was just another proof of the weird border setup prevalent in Central Asia, mainly in the highly heterogenic Ferghana Valley. I was not getting tired to defend my point of view, a rather more differentiated approach to understand the underlying reasons for the non-functioning structures between the Central Asian countries. Many of my friends and colleagues were quick to blame it all on Joseph Stalin, who supposedly sat down in Moscow in 1924 thinking about the best way to suppress dissent. He hence drew the borders in the most arbitrary manner. Even though this might reflect a fraction of today's reality, it is by far not the entire story to be told. Suffice it to say that by then, in the 1920s and 30s, the SSRs in the Union's South were not 'designed' to exist independently, thus the infrastructure planning was of a holistic design. This is all too visible today, with my circumvention-mission only being one of the problems. In press coverage terms, the most appalling and potentially crisis-prone shortcoming is the lack of a cross-border water-management between Kyrgyzstan and Uzbekistan, which has already led to frosty bilaterial relationships between the two countries.
Having arrived in Batken, I was warmly welcomed by German aid-worker Torsten. With him, I was able to explore the oblast from a development perspective. Our journey the next day took us as far as to the Tajik border in the far West of the country, some hundred kilometers behind Isfana. Some interesting facts:
-> The GTZ funds many small-scale projects in the oblast. Activities include the (re)building of elementary schools in various villages. The level of commitment of villagers varies. While in bigger villages (places with 5,000 inhabitants are still called villages very often), projects could often seem to have diluted, smaller communities with around 50 families showed incredible results with little means.

-> Many families in the Batken oblast have at least one family member seasonally working in Russia. Many bring home around 40,000 Soms for a six-months stay (~ $1,000). This money though is not used for investment purposes, but for long and pompous family celebrations. A wedding, funeral or circumcision festivity can easily soak up all available funds. As in India, this addictedness towards festivals is considered to be one of the major hindrances towards capital accumulation and the promotion of a small- and medium-sized enterprise sector.
-> The technical infrastructure in the region is in a terrible condition. Telephone lines to Isfana, a town of 10,000 inhabitants in the West, cumulate in a place remiscent of TV-images from the 50s. Sadly, this still is reality in Kyrgyzstan. Road conditions are dependant on the mood of the weather. Severe landslides, earthquakes and other natural desasters take their toll every year and make maintenance of the roads a Sisyphotian work.
My actual aim in Batken was to visit the IFES summer camp, where a group of around 60 children come together for ten days. The kids - all from Batken oblast - were selected on the grounds of their application forms, which were given out to them through the German-funded GTZ. The agenda was full with workshops, trainings, games, etc. related to civic education. Topics included a wide variety of society-related themes like elections, human rights, conflict, etc. What I saw in the three days I was there was impressive. I have never seen such a level of participation and commitment of youths in any social project. Even though there were difficulties like a distempering language barrier (some kids spoke only Kyrgyz, some only Russian, some even only Tajik), the camp was a good example of rather well-spent Western money.
The way back to Batken from the camp prove to be quite weary, as almost no car took the road that particular day. Finally having arrived there by one at night, Torsten had incredible news for me: I could fly directly to Bishkek from Batken airport, not having to take the windy road around the enclaves again.
August 26, 2004
Back in Berlin
Well, this is quite sad news. I am back in Berlin, the adventure is over, reality and routine will have me back sooner than thought. The last days in Kyrgyzstan were great, the tour to remote Batken difficult but fruitful and the time in Bishkek a happy-sad farewell. New-won friends, an interesting and comfortable place to live - all that doesn't make it too easy to return to Europe, with its routines and completely different challenges.
What I am going to put up here in the near future is the following:
-> two articles that will appear on openDemocracy (one on Kyrgyzstan's political situation, one on China's West)
-> a report on what happened in Batken oblast
-> perhaps some concluding remarks
August 23, 2004
Was alles schiefgehen kann
Das gute alte Schreibheft hat auf meinen Reisen ohne Laptop gute Dienste verrichtet, obwohl ich oft meine eigene Handschrift gar nicht mehr erkennen kann. Hier der Bericht, den ich unmittelbar nach Ankunft in Batken verfasste (Mist, schon zuviel verraten). Ich bin mitunter wieder in Bischkek angelangt, nachdem ich auf dem Rückweg zum Glück einen Direktflug aus der 12,000 Einwohner zählenden Stadt bekommen habe. Es ist gut, wieder hier zu sein - nachdem mich der Trip wohl zu einer der entlegensten Ecken Asiens gebracht hat und unheimlich interessant war. Mehr dazu später - hier.

Autofahrten in Kirgisien gehören sicherlich zu den aufregendsten ihrer Art. Allein die Landschaft, die es allerorts zu bestaunen gilt, bietet genug Anreiz, das Land auf vier Rädern kennenzulernen. Probleme, meist ob des Alters der Vehikel her rührend, bleiben jedoch bei längeren Fahrten nicht aus. Dass jedoch auch alles schiefgehen kann, war mir wenigsten bis gestern erspart geblieben.
Von Osh sollte mich ein Taxi in das abgelegene Batken bringen, Hauptstadt des gleichnamigen Oblasts. Gleich zu Beginn offenbarte sich die Mutter aller Probleme: In der territorial durchwachsenen Region benötigen Ausländer ein usbekisches Visum, um in den Genuss der durchweg asphaltierten Straße nach Batken zu kommen. Zu zeiten der UdSSR waren die Teilrepubliken mit einem ganzheitlichen Infrastrukturnetz durchzogen. Grenzen innerhalb der Union spielten im Alltag der Menschen nur geringfügige Rollen. Verwandte in Usbekistan konnten von Kirgistan aus ohne Probleme besucht werden - der Grenzübertritt war de jure - und in der Realität bis auf pompös-sozialistische Willkommensmonumente unsichtbar.
Nach der Unabhängigkeit jedoch brach dieses weiche System zusammen. Alles, was bisher im Verbund organisiert worden war, lag nun in der Zuständigkeit einzelner, unabhängiger Staaten. Gerade zwischen Kirgistan und Usbekistan führten Unstimmigkeiten im Austausch von Wasser und Gas zu verhärteten Fronten. Teilweise wurde auch der visafreie Transitverkehr abgeschafft, was zu unsäglichen Problemen für normale Menschen auf beiden Seiten führte. Somit war meinem Taxifahrer die Strecke bekannt, die usbekisches Territorium umgeht: "No Uzbeki Visa" - und der Mann verdrehte schon die Augen.
Gut, wäre sein Auto im Rahmen gängiger Standards ausgerüstet und funktionabel gewesen, hätte die Strecke auch bei weitem nicht so problematisch sein müssen. Aber, und ich übertreibe nicht im geringsten, sein Auto war nicht mehr als ein Haufen Schrott. Ein Lada Nova, ca. 20 Jahre alt, ist an sich kein Grund zu übermäßiger Sorge. Als ich jedoch in Osh beim Anschieben helfen musste, dämmerte mir schon, dass dieser Trip kein Zuckerschlecken werden würde.
Problem 1: Der Anlasser
Lösbar. Wenn der Motor wieder mal zu heiß gelaufen war (meistens beim Bergauffahren), einfach mit dem letzten Rest kinetischer Energie wenden - den Berg zurück herunterrollen und am Fuße wieder den Gang einlegen. Problematischer nur bei ebener Strecke. In dem Fall erst warten, dann schieben.
Problem 2: Die Elektronik
Unlösbar. Sicherheitsbedenken hoch. Bei Einbruch der Dunkelheit setzten sich schon die nächsten Sorgenfalten auf die Stirn. Unser Licht glich eher dem Standlicht meines alten Simson-Rollers. Auf kirgisischen Straßen mit mehr Schlaglöchern als Asphaltbelag kann dies schnell ins Auge gehen. Entgegenkommende Fahrzeuge quittierten unseren Blindflug mit einem Gewitter an Lichthupen - was die Augen einem unbarmherzigen Wechsel von hell und dunkel aussetzte.
Problem 3: Die Reifen
Um Mitternacht forderte die Umleitungsstrecke ihren Tribut. Die Buckelpiste mit herausragenden Steinen und Schlaglöchern der Kategorie 'ernst' fraß sich langsam aber sicher in das schon poröse Profil unseres rechten Vorderreifens. Nach einem lauten Knall war das Unausweichliche dann passiert. Reifen geplatzt, Hoffnung dahin. Batken schien unerreichbar fern.
Die Sitze wurden also umgeklappt und das Auto zum Schlafplatz für diese Nacht, inmitten der Wildnis. Alle zehn Minuten röhrte ein Kamas-Laster an uns vorbei. Nicht nur Ausländer ohne usbekisches Visum benutzen diese Umleitung, sondern augenscheinlich auch Transportunternehmer ohne Lust auf die berühmt-berüchtigten usbekischen Grenzkontrollen.
Im Morgengrauen traute sich der Fahrer erstmals, einen Laster anzuhalten, um ihn nach Profilschutz zu fragen. Diesen kombinierte er mit dem geplatzten Reifen, einem unversehrten Schlauch (Gott weiß, wo er den her hatte) - und ab ging die Post (nach Anschieben) - weiter Richtung Batken. Im nächsten Marktflecken wurde es dann unausweichlich. Ein neuer Reifen musste her, koste es, was es wolle. 200 Som mehr als in Osh wollte der Verkäufer, und zähneknirschend stimmte der Taxifahrer zu. Den Reifen zogen wir jedoch erst auf, als der geflickte endgültig den Geist aufgab, ca. 50 Kilometer weiter. Dann endlich, 15 Stunden und magere 250 Kilometer von Osh entfernt, klingelt mein Telefon. Endlich, Batken ist erreicht. Isgesamt 15-mal Anschieben, zweimal Reifen wechseln und mehr als einmal Grenzsituationen durch mangelndes Licht - was ist das schon alles, wenn es überstanden ist.
Geplant waren sechs Stunden, aber gerade in Kirgistan ist Zeit ein Faktor, den man nicht unterschätzen sollte. Mein Anschlusstaxi war natürlich längst über alle Berge - dafür bin ich aber in guten Händen. Torsten, GTZ-Mitarbeiter, hat mich eingeladen, die Nacht in seinem Haus zu verbringen. Mit ihm werde ich morgen aufbrechen, ins Camp, wo ich dann mit 2 Tagen Verspätung eintreffen werde.

Wie ich mich schon auf den Weg zurück freue.
August 07, 2004
Cattle Market Kashgar
Sat 07/08/04
Where to start when you're asked to write something about the local cattle market? Kashgar's fabled Sunday Market used to have one of the largest cattle sections in Central Asia. Two years ago, the authorities moved it outside of the city, to get of rid of herds of cattle in the centre of town. I thought to myself: Which place is better to find out about people's lives, their perceptions, dreams, etc.? openDemocracy has asked me to interview local traders, to see whether one can build an interesting story around it. Well, I have to admit that I don't bloody know a thing about cattle. Hopefully, this will change tomorrow. If you have any idea on what I could ask them, please don't hesitate to comment.
Sun 08/08/04
OK, that was it - after all, we're in China. It was difficult to get into contact with people. Somehow, Westerners with notepads and cameras seem to cause utter suspicion. Few people agreed to answer my questions, no one dared to give his or her name. Understandable maybe when taking into account what has happened some months ago. An American journalist (or rather idiot?) published an article where he gave real names of Uyghurs being critical of Beijing - and promptly, these poor souls got arrested and detained for long sentences. Luckily, I was able to talk to some people anyway - not focusing on politics, but rather on daily life. I hope that these few insights into normal life together with some pictures I took suffice for a nice little story?
August 06, 2004
Bishkek - Osh - Sary Mogol - Erkestam - Kashgar
Well, here I am - sitting in the hotel internet cafe, browsing through the pictures I made with my digital camera. It's been a while since I reported extensively here. But now, as I am alone and my friends on their way back to Bishkek, I will try to sum up the last week. It has been by far the most amazing one during my stay here in Central Asia. Let me begin with our transfer to Osh, which almost ended in a nightmare for me.
As I have already mentioned before, the Kyrgyz international airport Manas is packed with American transport jets.
When we were asked to board our plane - a rusty Russian Yak 40, a stark gust came up, cutting my boarding pass off the ticket. Seeing this important sheet of paper fly away, the stewardess made an unmistakable sign that I shall run. Right towards the American base. What followed was an interesting scene. Everytime I seemed to have caught the pass, wind came up again and blew the paper farther away. After some 250 meters, I finally got hold of it, jumping on it, not letting it fly away again. This whole show caused a good deal of laughter among my friends and the other passengers, luckily, the Americans, whose zone I entered, weren't too amazed at all. The flight was unexpectedly smooth, despite the wind. The old plane, probably 35 years old, took some time to take off and incline, though I was impressed on how safe everything appeared. We Europeans are security fanatics, that's what I know now.
Having arrived in Osh, Hadji, a friend of a collegue from Bishkek, picked us up by car. His actual name is different, but everybody calls him so because he went on the Hadj some years ago. He is Uzbek, like more than sixty percent of Osh's population. During national delimitation, which I have also covered in this blog, the Uzbeks reacted with a chorus of outrage to the allocation of the city towards the newly formed Kara-Kyrgyz oblast. In 1991 the city was the scene of a tragic - but happily unrepeated - outburst of violence between the Kyrgyz and Uzbeks. More than 300 people died, evoking fear of further ethnic clashes in the heterogenous Ferghana-valley. Until now, this scenario did not prove true. Problems lie elsewhere. The economic situation the Uzbek side is much worse than in Osh, that's why the Uzbeks remain happily on the Kyrgyz side, where also the political scene is a bit more liberal than in authoritarian Uzbekistan.
We stayed overnight in Kenesh's apartment, from where we approached the fabled Osh-market the next day. Here, all ethnic groups of Central Asia come together and bargain over nearly everything that can be traded. Cheap Chinese products, all sorts of agricultural goods, cattle - all can be found here. The athmosphere was relaxed, as we came on a Tuesday. On Sunday, I was told, the scenery gets more crowded, with people from outside Osh coming to the city.

We equipped ourselves with plenty of food: bread, dried fruits, salami, and god knows what else. If I hadn't known we were planning to cross a 4000 meters pass, I would have guessed we'd go for the Everest. The taxi ride lasted about 5 hours and took us across two passes, where we got a first impression of the altitudes in this region. I couldn't concentrate too well and talked nonsense, to the amusement of my friends. When we entered the plains again, it was not too far to Sary-Mogol, our final destination. Based on some 2500m, nothing else than potatoes grows here; no trees, no bushes, nothing. In the background, 40 kilometers away, the Pamirs rose, with Pik Lenin (7,134m) shooting out.
Our host family warmly greeted us and with Kenesh's assistance, we could exchange some first basic information. The father, about 65 years old, was a veterinarian when he still worked. Having retired now, he reminded me a bit of my own grandfather, reading every single bit of the newspaper and generally being more interested in politics. Me and my three friends were staying in the winter house, a solid brick-building, built to resist outside temperatures of about minus 40 degrees in January or February. The diner was amazing, all sorts of milk products, lepyoshka-bread, tea (caj) plus a strong soup with traces of meat gave an impression of how unexpectedly rich a table can be decorated, even though many of these things had to be bought on the markets, brought to this remote spot from fertile Osh.
The next day, we started our tour. Heavy rain delayed our departure, but finally, around eight, the two Lada Nivas arrived to pick us up. They took us away from the Pamirs, to another mountain range, the Alaj. There, me and my three friends, Kenesh and two locals started to hike up the valley. Base-altitude was at about 2,500m; hence we had to climb up around 1,500m to the pass - quite a long way for us unexperienced hikers. We soon all became quite disillusioned: The locals found it easy to cross the torrent by jumping from stone to stone. All of us Berliners didn't manage it too easily, but fortunately, nothing else than wet shoes had to be bemoaned. Sebastian however got problems with his circulation, so he couldn't keep pace with the others, remaining at the end of the trek.
Soon we met the others with the horses and donkeys, so we could finally pack our stuff on the animals. The donkey that was carrying my stuff though seemed to have problems with the river, too. On one spot, he fell down sideways, dipping my backpack deep into the ice-cold water. 400 meters down from the pass, we had lunch in a hurry, as a storm was brewing. Finally, we reached the crossover between the two valleys - snow lay to our left and right. The altitude had taken its toll. Sebastian wasn't able to continue and luckily the horses couldn't either due to the terrain on the other side. The guides were afraid that they might stumble and fall down to the side. A horse is one of the most precious properties in rural areas, and hence they wouldn't risk it. So, Sebastian and Laura could turn back on the horsebacks. They arrived safely in the village at night.
We, the others, went on downhill. We reached the Jai-Loo (a herdsmen station) at 6 p.m. and started to erect our tents. The shoes were dried on the oven inside the yurt - and after a brief diner, we all fell asleep really quickly, knowing that the next day might require more strength again. We were right. The next day was insane. Although Elke and I (the others had left to Osh so they didn't have to go back again) rode up the pass on one donkey and one horse, the weather soon became the worst I have seen so far. First it was raining, right into our faces, without mercy. Ascending further up, the rain turned into snow, not less uncomfortable. Some hundred meters below pass-level, we ended up being in a proper thunderstorm. Lightnings stroke some meters away, scaring the sh** out of us. At this point, and seeing the scared faces of one of our guides, I would have liked to be somewhere else, away from this climatic nightmare. However, our most experienced guide, a cattle-trader, remained calm. Taking into account that he has walked to the Pamirs three times already (500 km), where he bought some dozen yaks, there could not have been any more reinsuring sign that we didn't have to be afraid. He has seen worse, he told us. And it was true. Short before reaching the pass, the sky cleared up and gave sight of the adjacent mountains, beautifully snow-capped. We had reached the top. On the other side of the pass, we could spot one lonely horse on the next plain: Our horse.

The rest of the day was ok, though the ride downhill on the horse was quite long and tiring. At 6 p.m. we had reached the plains again, to start our social trekking. Our guides had many relatives on our way back to the village. So, we stopped almost everywhere to have some caj, bread and other food. My digital camera proved to be an attraction, the women put on their best clothes for this photo-shooting. I will send back more than 30 pictures once I am back in Bishkek.
The next day led us to the Pik Lenin range, which we approached first with a Lada Niva, and then by horse again. The most spectacular thing were the river crossings on the horsebacks. I could not believe that horses could physically cross such a roaring torrent - but as seen in numerous Westerns, they can. The slippery stones though caused my horse to collapse sideways, resulting in wet shoes. Like a miracle, that was the only thing going wrong.
It was time to say goodbye to our hosts after this spectacular day. In a Lada Niva, we headed east to reach the border crossing Kyrgzystan-China the same day. We expected a town at the frontier, but we were disappointed, not to say shocked: The border post consisted of a huge parking lot for waiting Russian Kamas-trucks, transporting scrap-metal to China. The awaking giant cannot hold pace with iron-demand and needs to buy scrap from adjacent countries - to melt and further process it. So, the place bursted with a dubious athmosphere. Aggressive truck drivers, a shady 'hotel', a sketchy restaurant - rather not guaranteeing a safe and relaxing stay. In the middle of the night, we were woken up by an unpleasant knocking on our door - passport control. Luckily, the soldiers were not demanding us to bribe them - however, they insisted we should drink vodka with them.
We crossed the border the next day - and this time had to pay bribes, namely $50 due to some 'irregularities' with two of our passports. Anyway, we had arrived in China's wild west, Xinjiang. The largest province, with only around 20 million inhabitants, is inhabited by the local Central Asian people, the Uyghurs, and now, many many Han chinese. I'll cover this issue in a seperate article.
A taxi took us to Kashgar, the fabled Silk Road oasis. Here, we met up with Hasan, our local guide. With him, we had two amazing days in this strange city. He showed us the old Uyghur city centre and all the other sights of this place, and he took us to the Taklamakan desert, some 4 hours drive away. That's it, now you're informed. Tomorrow I'll visit the Sunday Market to interview some cattle-traders on their lives, dreams and - of course - their cattle.
This is - as you see - Mao Tse Tung. It is said to be one of the largest statues of him in China.

August 03, 2004
Kashgar

After some amazing days in a remote spot in southern Kyrgyzstan, we four eventually made it to China. Just to inform the interested reader (and all parts of our families) - we're healthy, amazed, and absolutely curious about what's about to happen next.
Visit the site later, as we'll put up some more details.
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OK, nach einigen anstrengenden aber bezaubernden Tagen im abgelegenen Sueden Kirgistans haben wir es endlich nach China geschafft. Allen interessierten Lesern (und Teilen der Familien) zur Kenntnisnahme: Wir sind gesund, munter und neugierig, was die naechsten Tage so bringen werden.
Hoechstwahrscheinlich stehen hier morgen/uebermorgen mehr Details zur Reise, also - wiederkommen!
July 27, 2004
Die Reisegruppe der Freiheit und Freundschaft am Issyk-Kul
Elke, Laura und Sebastian (alte Schulfreunde aus Berlin) hatten sich kurzerhand entschieden, mir hier in Bischkek Gesellschaft zu leisten und mich auf den diversen Trips zu begleiten. Da auch viele ihrer Bekannten diesen Blog lesen, dachte ich mir, es wäre an der Zeit, ihnen das Wort zu erteilen. Dieses Wochenende ging es an den Issyk-Kul. Da ich noch etwas an den Folgen meines Sonnenstichs zu leiden hatte, übernahmen die drei den Part des Web-Tagebuchs. Und hier ist er auch schon, der Issyk-Kul Reisebericht:
OK, das Wochenende am Issyk-Kul ist vorüber und alle sind wieder gesund. Hier der Reisebericht (und Krankenreport) von Laura, Sebastian und Elke:
Nachdem uns von verschiedensten Seiten die Schönheit des Issyk-Kuls besonders nahegelegt wurde, brachen wir am Freitag voller Enthusiasmus von Bischkek aus auf. Zu acht legten wir die Strecke in einem kleinen Nissan 7-Sitzer zurück – und ließen uns von kirgisischer Textsicherheit im europäischen Charts-Bereich beeindrucken. Neben unserem Guide Cholpon hatten nämlich auch Nadja und Isara ihre Sachen gepackt und sich mit uns aufgemacht. Die Fahrt verlief zügig bis rasant, so daß mit wachsender Distanz zur Hauptstadt traditionellere Bauwerke unseren Weg begleiteten. In den atemberaubenden Bergen angelangt, machten wir an einer Jurten-Raststätte halt und aßen weiße Pferdemilchkäsebällchen, die geschmacklich an Feta erinnerten. Der jugendliche Verkäufer war sichtlich enttäuscht, als sich herausstellte, daß wir doch keine ‚Amerikanski’ waren, sondern nur gemeine Europäer.
Nach einer weiteren rasanten jedoch auch schlaglochreichen Stunde erblickten wir das Westufer des Sees, der sich wie ein Ozean vor unserem Auge auszubreiten schien. Gegen acht erreichten wir unseren Zielort, Cholpon Ata - Ausbau, das Touristenmekka Kirgisiens. Die Freude über die sauberen Zimmer wurde leider recht schnell getrübt: Die sanitären Anlagen bestanden zu unserem Verdruß aus einem wackeligen Plumpsklo und einer Ganzkörperdusche in 20 cm Höhe. Durch das Plumpsklo war man über den Zustand der Verdauungstrakte der anderen Touristen bestens im Bilde. Die einzigen, welche in den Genuß der Ganzkörperdusche kamen, waren die zahlreichen kirgisischen Spatzen.
Gestärkt von der pensionseigenen Küche, welche von Studenten der American University of Central Asia unter einer Plane betrieben wurde, begaben wir uns auf Erkundungstour. Diese ergab, daß die restlichen Gebäude vorwiegend aus Wellblech bestanden oder einem sozialistischen Erholungskomplex Marke Werbellin-See/Prerow angehörten. Gespickt wurde das architektonische Ensemble von einer Reihe lautstarker russischer Karaoke-Freiluft-Diskotheken. Einen Vorgeschmack auf die hiesige Kriminalitätsrate präsentierte sich uns durch eine rennende Menschenmasse, die sich ganz der Verfolgung des schwarz gekleideten Diebes in flagranti verschrieben hatte. Ben, der seiner Blase notgedrungener Weise gerade auf dem Fluchtweg Erleichterung verschaffte, entging nur knapp den Rachemessern. Auf der Suche nach neuen Abenteuern und einladenden Toiletten begab sich die Reisegruppe umgehend zum See. Die Milchstrasse oder Goldspur der Gaben wie Aitmatov sie genannt hätte, erstrahlte am Himmel und setzte den nächtlichen Strand in romantisches Licht.

Nach einer guten Schüssel Pelmeni zum Frühstück, bot sich uns dann der bezaubernde Anblick des Sees mit seinen schneebedeckten Bergen am anderen Ufer bei Tageslicht. Mutig und die uns vom Strand entgegenströmenden Einheimischen nicht beachtend, legten wir uns kühn bei voller Mittagshitze in die Sonne und verbrachten die restlichen Stunden mit Baden gehen und Skat-Spielen.
Der nächste Tag war der bislang desaströseste: Zwar machten Elke und Laura Bekanntschaft mit der umliegenden Bergwelt, in der sich Pferde und Esel tummelten und Honig und Pferdemilch in den Flüssen flossen. Letzteres heißt Kumis und ist das kirgisische Nationalgetränk, sein saurer Geschmack allein wäre die Tour jedoch nicht wert gewesen. Findige Einheimische verdienten sich in den Schluchten ihr Geld durch das sekundenweise Vermieten festgebundener Falken. Elke konnte sich dem wilden Charme nicht entziehen und probierte einen falkenbesetzten Handschuh an…

Jedoch, während die herzlosen Frauen ihr Vergnügen in der Ferne suchten, kämpfte Ben in tapferer Begleitung seines Leibpflegers und Zeitansagers Sebastians um sein Leben. Die Sonne vom Vortage schien sich in Bens Kopf festgeschienen zu haben. Mit hohem Fieber und Rekapitulation des Gegessenen ging es nur schwer durch den Tag.
Der Gesundheitszustand der anderen verschlechterte sich ebenso (bei Bens Anblick), ob nun wegen der Sonne, des Essens oder der hygienischen Verhältnisse war nicht sicher auszumachen. Von nun an war alles nur noch lästige Warterei auf das heimbringende Taxi. Als dieses auf halbem Wege bei 120 Stundenkilometern auf Schweizer Käse-Straßen zur allgemeinen Erheiterung einen Reifen platzen ließ, fragte sich Laura, wie es sei, im schönsten Sonnenuntergang auf einem kirgisischen Feld an Magenkrämpfen zu sterben. Nach einer strapaziösen nächtlichen Landfahrt, hielt der Taxifahrer schließlich in einer abgelegenen verruchten Seitengasse und stieg wortlos aus. Dieses Mal jedoch verschlug es einen rotgekleideten jungen Mann ins Gebüsch, gefolgt von einer munteren Kinderschar. Wir scherzelten noch mit dem uns übriggebliebenen Humor, daß diese Schar unmöglich Böses im Schilde führen könnte. Doch unsere Erwartungen wurden wieder einmal übertroffen. Sie hielten vor dem Gebüsch an, zückten kurzentschlossen ihre kopfgroßen Steine und schleuderten diese mit all ihrer kindlichen Kraft, so daß die Steine nach wenigen Metern den Boden grüßten, dem Manne hinterher. Nach dieser Showeinlage stieg der Taxifahrer wieder wortlos ein und fuhr uns direkt durch die Einbahnstrasse vor die Wohnungstür.
Die angespannte gesundheitliche Lage fand bei Sebastian des nächtens und am darauffolgenden Tage ihren Abschluß. Dadurch war die Stimmung der Reisegruppe der Freiheit und Freundschaft auf den Nullpunkt gefallen. Aber auf ein Tal folgt bekanntlich immer wieder ein Gipfel - gerade in Kirgisien!
July 23, 2004
July 21, 2004
In the back of the building...
...Lenin is greeting. Without a name plate - incognito - he is pointing towards the American University Central Asia. Maybe he is trying to raise attention at the presence of the class-enemy-sponsored institution? Simon's daughter thinks that he is actually waiting for someone to pick him up, like an eternal hitchhiker. Have your own guess.
Once being placed in front of the National History Museum, where now a bewinged angel-like statue has taken his place - Lenin had been moved to the inglorious back of the building. However, he is still here, in contrast to many other ex-socialist countries, where everything reminiscent of the pre-1990 days has been regardlessly demolished. Lenin's fellow co-'ideologists', Marx and Engels also still have their memorials in Bishkek, though, without a name plate, too. In a society, where 50% of the people live on less than $200 a year, some might feel nostalgic remembering the old days - where at least care was taken for the basic necessities, education was free, etc.
July 19, 2004
Die zweite Woche
Das Leben hat sich eingependelt, hier in Bischkek. Unversehens bin ich in eine geregelte Arbeitsroutine geraten - und arbeite meine 50 Stunden die Woche. Heute nacht bekomme ich Besuch aus Berlin - Elke, Laura und Sebastian werden hier drei Wochen lang Quartier beziehen - mit ihnen zusammen geht es dann ein wenig auf Reisen. Die erste Tour ist schon für dieses Wochenende geplant, wo es zum Issyk-Kul See geht. Die Tage werden also durchgeplanter und bewegter - mir soll es recht sein. Langsam ist es an der Zeit, Bischkek zu verlassen, um den Rest des Landes zu sehen.
Ich hoffe, dass am Donnerstag mein erster Artikel erscheint, sicher bin ich jedoch leider noch nicht. Wenn es soweit ist, werden hier auf jeden Fall die Korken knallen. Also, Daumen drücken.
July 14, 2004
The sinking “Island of democracy”?
A torrid heat hangs over Bishkek, the capital of Kyrgyzstan. The impressive peaks of the Tien Shan rise only some 30 miles in the south – and on a clear day their sight gives a visible foretaste of the cleft landscape that shapes this mountainous landlocked Central Asian country. Its remoteness had left Kyrgyzstan off most foreign policy radar screens for years. It was only after September 11 that the wider region experienced a boost in international recognition due to America’s War on Terror in nearby Afghanistan. This new spotlight of international coverage arose because Kyrgyzstan granted permission to the Coalition forces to station troops on the ex-Soviet airfield Manas, just some 15 miles outside of Bishkek. The airport also acts as the main national civil airport. When approaching the terminal building after landing, the sight of dozens of US Air Force transport jets surprises: One of the main ingredients of the much-referred-to geopolitical cocktail in the region could not be visible more clearly. The military deployment – paralleled in neighbouring Uzbekistan - marked a major watershed in Central Asia’s foreign policy. Traditionally hegemonic power Russia was kept out of these military calculations deliberately, causing concerns in Moscow over an increasing American engagement in one of Russia’s historical areas of influence, only ten years after these countries’ gained independence.
When first Western delegations arrived in Bishkek and the remote countryside back in the early nineties, there was a mutual feeling of surprise about the level of development prevalent in the ex-Soviet Central Asian Republic. With literacy rates close to a hundred percent and a high proportion of the population holding university degrees, the reality in Central Asia was rather reminiscent of conditions in Central Europe than in nearby countries of the Middle East.
The new leadership of Kyrgyzstan, led by the former president of the Kyrgyz Academy of Science, Askar Akaev, showed a pragmatic understanding of the nation’s immediate outlook after independence: Unlike Kazakhstan and Turkmenistan, Kyrgyzstan is not gifted with abundant hydrocarbon resources or cotton wealth, and hence, the opportunity of a sudden economic boom and foreign investment deemed unlikely. The reinvigoration of the collapsed Soviet command economy with its state-owned conglomerates was therefore inexorably linked to Western goodwill. Thus, a democratic development acting as a model for the rather authoritarian countries next door prove to be Kyrgyzstan’s major ‘cash guarantee’. The ‘vibrant civil society that emerged earned the country the tag of Central Asia’s “island of democracy”’ – and a steady flow of soft loans from international organisations. However, the implementation of neoliberal policies did not bring about desired economic growth rates, and living standards were impossible to sustain. As a good ‘pupil’ among post-Soviet Union transition countries, Kyrgyzstan set out in 1991 with no debt at all, and – a decade later – found itself with its GDP halved and levels of poverty soaring. Today, about the half of the population lives on less than £100 a year.
When the foreign visitor strolls through the streets of Bishkek, though, this economic hardship is sometimes difficult to detect. The streets are jam-packed with Western cars, preferably of German origin. Russian Germans, once deported to Kyrgyzstan by Stalin were allowed to return to their historic home Germany after the collapse of the SU. Some of the returnees have set up lucrative trade businesses that specialise in the purchase of used cars on the German market. Once bought, they are then driven to Kyrgyzstan by land. Simon, a NGO-worker from New Zealand, tells me that since his arrival in Kyrgyzstan in 1994 until now, the traffic on Bishkek’s streets has visibly twenty-fold. So, the catastrophic economic downturn was surely not a universal fate of the Kyrgyz people. Apparently, affluent city-dwellers show the other side of the coin. With an economy being fully dependent on international aid, many of the new - comparatively - fancy cars cruise the streets only thanks to Western aid. Step by step, president Akaev, his family and his closer followers have positioned themselves not merely in politics, but also in promising key business sectors. Akaev’s family clan is known to control the market for cigarettes, a large number of the capital’s nightclubs, etc. (though apparently the son has recently gambled away the ‘Soho’). The American presence nearby is a licence to print money, too – as the supply with petrol is reportedly run by Akaev’s brother-in-law and his son. What is worse, there is no transparent account of where the alleged rent of $250m per year for the Manas airfield go to. It is exactly this uncertainty which seems to prove that the government does not want the public to know anything about hard data. Allegedly, the US government pays a starting and landing fee of $7,000 per flight. As in many other developing countries, it seems that politics is the key to a successful business career in Kyrgyzstan.
Although Kyrgyzstan was able to present itself as the most moderate and liberal among the five Central Asian republics collectively known as the ‘Stans, the Kyrgyz model was already by 2000 lauded undeservedly. The reason why the country had a better reputation lies in its neighbours: Adjacent Uzbekistan and Kazakhstan, plus the Caspian-Sea littoral state Turkmenistan were and are still being ruled by former Communist elitists; war-torn Tajikistan in the south still struggles to recover from a raging civil war in the nineties. Thus, Kyrgyzstan was by far the most promising candidate of a successful transition from socialism towards a democratic civil society. However, President Akaev, former chair of the Kyrgyz Academy of Sciences, had already perceptibly tightened his grip on political processes in the run-up for the last presidential elections in 2000. Alternative candidates faced problems in registering, and a lack of confidence in the independence of the courts and the election administration disillusioned many voters. The official turnout in the presidential elections was surprisingly high, though. Many independent observers suspected that in fact many people voted more than once, and thereby earning a nice little extra income. Students were reported to be threatened by their universities to hand in pre-filled ballots, and return those ones handed out in the ballot offices as a proof of their accomplished jobs. A rumour went round in Bishkek that one student repeated this procedure – more than a hundred times.
After 2000, mass detention and torture of alleged Islamist terrorists in Uzbekistan became the major human rights concern throughout the region – taking away attention from degrading conditions in Kyrgyzstan. A popular Kyrgyz opposition deputy, Azimbek Beknarzarov, was taken into custody for his open criticism towards the government in January 2002, causing protests in the politician’s home territory in the country’s south. Confrontations with protesters in March led to five people getting shot by the police. For the first time since Kyrgyz independence, political protests claimed the live of citizens. The conflict was finally resolved. Akaev dismissed the entire government; but it was only when thousands of protesters threatened to march on Bishkek that the charge against Beknarzarov was lifted
However, the underlying problems of these unprecedented protests and subsequent eruption of violence were not tackled. With economic development still being sluggish in arriving, the atmosphere is heating up. The growing gap between poor and rich is certainly increasing the existing anger among the population. Therefore, the upcoming elections in 2005 are anticipated with growing concerns. Kyrgyzstan seems to be standing at a crossroads. A period of uncertainty is to come as the country approaches the end of President Akaev’s term in office. He has repeatedly declared that he won’t seek re-election.
The situation now is indeed very complex. To fully understand what is going on in Kyrgyz politics, one certainly needs some clear sight and – time!
Coming up next: The Kyrgyz 2005 elections. Learning from past lessons. Is transparency possible?
July 12, 2004
The first week
A torrid heat hangs over Bishkek, the capital of Kyrgyzstan. The impressive peaks of the Tien Shan rise only some 30 miles in the south – and on a clear day their sight gives a visible foretaste of the cleft landscape which shapes this mountainous Central Asian country. It’s been a week now since I arrived here from Istanbul, flying in at Manas Airport. After heavy course corrections, the aircraft touched ground safely. The passengers acknowledged the safe arrival with a moderate applause – and a heavy sigh of relief. While the plane turned around on the runway to approach the terminal building, most of the mainly Kyrgyz people onboard unfastened their seatbelts immediately to collect their luggage, despite Russian instructions to wait with that until the plane had come to a complete halt. In the meanwhile, they missed an interesting sight outside of the windows: Numerous US Air Force Boeing 737 transport jets occupied almost every available parking position. I didn’t reckon to see one of the main ingredients of the hot geopolitical cocktail of the wider region right at the start of my journey – the American military presence in Central Asia could not be more visible to visitors arriving by air.

My roomy 2 bed-room flat, located on Moskovskaya Street, affords a satellite-TV and thus, I can watch BBC some time of the day. The channel currently broadcasts a trailer on heavy rotation. It shows wide Kazakh plains and articulates somewhat like:
‘This is Kazakhstan, the largest of the Central Asian states, collectively known as the ‘Stans. It is an area which rarely makes it into the headlines. With all the predictions about this region coming true – it soon will.’
Well, great to be here then.
After unpacking my stuff into the flat, Cholpon, my guide, asked me whether I was ready to have my first night out in Bishkek. Well, it was already two at night, but nevertheless, we took a cab to the ‘First Nightclub’ (formerly known as ‘Soho’) – owned and run by the son of President Akaev. The $10 entrance fee made undoubtedly clear who is to be seen here. The newly-rich young and successful generation, shaking their hips to Black Music and Russian all-time-favourites populated the dance floor and made the scene appear a bit like the Central Asian version of a P. Diddy video-shooting. Just what it made unique was the armed guard next to the dancing people. He was having a sharp eye on everyone and made sure everything was in order. Kept in a clinically white layout, the place was a bit reminiscent of a trendy European establishment. The prices, too.
The next day took me out of Bishkek for the first time. The Ala-Arca national reserve is located only 40 miles south of the city and acts as a favourite refuge for heat-anguished city-dwellers who want to catch a fresh mountain breeze. Slowly inclining up to some 1,500 meters, the valley reminded me a bit of the Swiss Alps - with its green meadows, a loud and roaring torrent and snow-capped peaks further up.

Cholpon’s friends, all students of the American University Central Asia, were all nice and welcoming. Together with them, we sat down under pine trees and picnicked all day. What a great start for the two months I’ll be here.
My work at the International Foundation for Election Systems started the day after. I’ll be able to get some great insights into the complex political situation in the ‘island of democracy’, although my work is rather down to earth and – as usual - computer-based. However, by simply having my desk in the meeting room, having lunch with my colleagues, and seeing some of them after work, my knowledge is growing on a daily basis. Still, it is quite confusing, as my brain has to cope with a multitude of new names, dates, and contexts. What can be said until now is that the model-state of Central Asia is far from offering transparent democratic conditions, and - what is worse - seems to be on the down grade. With parliamentary and presidential elections scheduled for the next year, Kyrgyzstan seems to be standing at a crossroads. The country is entering a period of uncertainty as it approaches the end of President Akaev’s term in office in 2005.
After a busy week, Friday brought great news from London: I will cover the election-preparations on openDemocracy, a former employer. There, the previous paragraph will be spilled out in greater detail.
Saturday, I and my colleague Jamilya went out to southern Bishkek, where I was supposed to meet national writer Chingiz Aitmatov’s wife Maria. Next to the presidential residence and hidden behind huge walls, the Aitmatovs live in modest – under Kyrgyz conditions though crass - luxury. Sitting down on the terrace of their house, Ms Aitmatov offered me to participate in a summer study camp, where I would teach students German and English. The camp is held by the International Aitmatov Foundation, bringing together European and promising local students. As interesting this project sounds (and tempting the chance to see Chingiz Aitmatov), I will have to turn down the offer. At the same time, I will visit an IFES summer camp in south Kyrgyzstan, near the Tajik border, instead. There, I feel I will be able to see more of the real nature of this country and get a rare opportunity to see how democracy is trying to be promoted on the micro-level. Batken, a region heavily inflicted by economic hardship, has been in the news two years ago, when insurgents of the IMU had poured into Kyrgyz territory to stage attacks on Uzbek positions in the adjacent Ferghana Valley.
Today, it has been rather calm. As last Saturday night was heavily exhausting and came to an end at seven in the morning, Cholpon, Nadja and me took it easy by leaving the city to ride horses.

I did quite well considering the fact that I am a bloody riding-beginner with no experience whatsoever. At least I didn’t fall off the horseback. But what my inexperienced eye could make out for sure was that my horse ‘Muskat’ was definitely in a better shape than Schwartz’ ‘Bubba’.
July 06, 2004
Bischkek beginnt
Um ein Uhr morgens berührte die Maschine der Turkish Airlines die Landebahn des Manas-Flughafens. Es war eine ruppige Landung, nachdem der Pilot kurz zuvor den Anflugwinkel korrigieren musste. Die vornehmlich kirgisischen Passagiere quittierten den ruppigen, aber letztlich sicheren Bodenkontakt mit zurückhaltendem Applaus. Nach anschließender langer Bremsung drehte die Boeing um 180 Grad bei, fuhr die Start- und Landepiste wieder herauf, und schlug erst nach einigen hundert Metern den Weg zum Terminal ein. Die meisten Passagiere hatten sich da schon abgeschnallt, emsig die Gepäckfächer geöffnet und sich Richtung Ausgang gedrängt – trotz türkisch, englischer und russischer Anweisung damit zu warten, bis das Flugzeug die endgültige Parkposition eingenommen haben würde.
Wahrscheinlich kannten sie schon den äußerst interessanten Anblick, der sich einem beim Blick aus den Fenster eröffnete: Auf nahezu allen Parkpositionen des Airports standen Boeing-737-Transportjets der amerikanischen Luftwaffe, schätzungsweise 30-40, unter ihnen auch vereinzelt andere Flugzeugtypen. Zwischen ihnen fuhr einsam ein großer Chevrolet hindurch, gesteuert von einem jungen GI. Der Manas Airport, angeflogen nur von einer Handvoll Airlines, hat seinen größten Kunden in den von Amerika geführten Koalitionskräften, die anlässlich des Afghanistan-Feldzuges Ende 2001 hier stationiert worden waren. Angeblich kassiert die kirgisische Regierung dafür fürstliche Start- und Landegebühren, von denen rein zivile Flughäfen in Europa nur träumen könnten. Zusätzlich zu den ca. 300 Millionen Dollar Miete pro Jahr sowie großzügigen Modernisierungsplänen erhalten die kirgisischen Behörden 7000 US-Dollar pro Start und Landung.
Passkontrolle und Zoll dauerten lange, trotz andersartiger Befürchtungen verliefen sie aber ohne besondere Vorkommnisse. Im Empfangsbereich stand ungefähr die zehnfache Anzahl an Menschen, die in dem Flugzeug gesessen hatten. Nach erfolgreichem Kampf durch das Dickicht der Menschenmassen spricht mich endlich ein Mädchen mit meinem Namen an – Cholpon Osmonalieva (20) wird für die acht Wochen mein lokaler Kontakt sein. Sie führt mich durch das mir sprachlich fremde Land, organisiert die Touren und hat ein offenes Ohr für all meine Probleme. Ohne sie, und das kann ich schon nach 2 Tagen festhalten, wäre es ungemein schwierig und lange nicht so ergiebig.
Das Taxi raste die Straße nach Bischkek entlang, dort wo es ging mit maximalen 140 Stundenkilometern. An einigen Polizeistreifen vorbei, erreichten wir die kirgisische Hauptstadt nach guter halber Stunde. Die Wohnung, die ich die nächsten zwei Wochen bewohnen werde, ist einwandfrei. Balkon, Satelliten-Fernsehen, saubere Küche und Bad – alles angenehm und komfortabel. Die paar Schaben, die sich vornehmlich nachts auf Erkundungstour durch die Gänge machen, sind wohl letztlich unvermeidlich und bringen mich noch nicht aus der Fassung. Ihren südostasiatischen Verwandten stehen sie in Größe und Geräuschpegel nach. Die Vermieterin, eine mittelalte Kirgisin mit goldener Zahnreihe, ist nett und kam heute zum Kassieren der Miete.
Nach kurzem Wäschewechsel ging es auch sofort weiter. Unten wartete das Taxi, um uns zum ‚First Nightclub’ zu bringen, einer im Nachhinein dubiosen Einrichtung. Eigentum vom Sohn des Präsidenten Akajew ist dieser Club wohl eine der ersten Adressen für das reiche, neue und erfolgreiche Bischkek. Den Eintritt von 200 Soms (5 US-Dollars) kann sich kaum jemand von den normalsterblichen Kirgisen leisten. Somit ist schon im Vorneherein klar, wer da zu den Black Beats die Hüften schwingt. Die neuen Reichen bleiben auch gerne unter sich. Gerade neben der Tanzfläche steht ein privater Sicherheitsmann mit Pistole im Halfter, vor dem Eingang schaut Militär nach dem Rechten. Das Etablissement ist ganz in weiß gehalten und auch die Kellnerinnen spiegeln dies in ihrer Garderobe wieder. Man fühlt sich fast ins trendy London oder Berlin versetzt. Das schlichte Design im Club steht im Gegensatz zum sozialistischen Leuchtspektakel vor der Tür, wo elektrische Fontänen nahezu romantischen Charme versprühen. Das Publikum macht einem jedoch unwiderruflich klar, wo man sich befindet – im Herzen Zentralasiens.
Die unterschiedlichen Gesichter der Tanzenden zeigen unter anderem, dass sich wirtschaftlicher Erfolg hier nicht nach ethnischer Zugehörigkeit zu richten scheint, sofern ein Nachtclub darüber ausreichend Auskunft geben kann. Freudige junge Menschen geben sich der Musik amerikanischer Machart hin und verwandeln den recht klinisch wirkenden Club in eine einzige Tanzfläche, welche die DJs gekonnt im Griff haben. Vinyl ist in Ländern der ehemaligen Sowjetunion schwer zu bekommen und Bestellungen aus dem Ausland würden an organisatorischen und finanziellen Gründen scheitern. Auf den hiesigen Märkten gibt es nur (professionell gebrannte) CDs. Doch durch pitchbare CD-Spieler gelingen den DJs jedoch überraschend sanfte Übergänge zwischen den Songs.
Die Hitze verschwindet auch nachts nicht, der Ventilator verschafft nur scheinbare Abkühlung. Somit war in der ersten Nacht kaum an Schlaf zu denken. Cholpon rief auch schon um sieben an, um mich zu wecken. Sie und ihre Mitstudenten hatten einen Sonntagsausflug geplant, der uns in das rund 50 Kilometer entfernte Ala-Arca Tal bringen sollte. Nach kurzem Warten vor der ‚American University Central Asia’ waren alle Freunde beisammen, die Reise konnte beginnen. Nach einstündiger, holpriger Fahrt war der Eingang des Naturparks erreicht und der Rest der Strecke taleinwärts musste schließlich zu Fuß zurückgelegt werden. Der Weg führte uns über ein weitgefächertes Flussbett zu den ersten steileren Passagen. Im Hintergrund erschien nach einer Rechtskurve plötzlich der Pik-Semenov-Tienshanskij, ein majestätisch anmutender 4895 Meter hoher, mit Schnee bedeckter Berg. Zu seinen Füßen sollten wir jedoch nicht kommen, da wir schon vorher ein ruhiges Plätzchen am Bach und unter Nadelbäumen fanden. Der Tag verlief traumhaft: Viele Gespräche mit Cholpons Freunden, Fußball auf einer Bergwiese und ein reichliches Picknick sorgten für einen äußerst angenehmen Start meiner 2 Monate in diesem wunderschön fremden Land.


Auf dem Weg zurück zum Bus gab es noch eine Live-Erfahrung in kirgisischer Politik. Das letzte Haus vor Beginn des Naturparkes hätte sicher einen Architekturpreis verdient – vor 20 Jahren. Ein bizarres Spitzdach-Dreieck mit bayrisch anmutenden Balkonen und verglasten Seitenflügeln ist der neue Besitz vom Vize-Präsidenten. Dieser saß meinen neuen kirgisischen Freunden zufolge auf der unteren Terasse, umgeben von Sicherheitsdiensten und anderen offiziell anmutenden Männern. Der Mann sorgt für Unbehagen bei der kirgisischen Bevölkerung. Er besitzt keinen direkten Bezug zu Politik, ist Russe und – interessanterweise – ehemaliger Tennistrainer vom Präsidenten.
Totmüde fiel ich um abends um neun ins Bett und wurde erst wach, als mitten in der Nacht BBC Griechenlands Triumph bei der Fußball-Europameisterschaft verkündete. Zwischenzeitlich hatte auch ein russisch sprechender Mann angerufen, der nach meinen verzweifelten Versuchen, ihm zu sagen, dass ich seiner Sprache nicht mächtig bin, einfach aufgelegt hatte. Verwirrt über den Mann, das unerwartete Ergebnis der Euro 2004 und schweißgebadet von der gnadenlosen Hitze schlief ich verhältnismäßig ruhig weiter bis sich Cholpon gegen elf bei mir meldete.
Der erste Weg des Tages führte mich zu meinem Arbeitgeber vor Ort, dem ‚Institute for Election Systems’. Chedomir, Simon und ein grimmiger Amerikaner interviewten mich zugleich, um meine möglichen Arbeitsfelder abzustecken. Wie immer werde ich höchstwahrscheinlich im Bereich Grafik- und Webdesign eingespannt sein. Die Broschüren der Organisation für Kirgistan, Tadschikistan und Kasachstan benötigen dringend optische Aufwertung und scheinbar bin ich der richtige Mann dafür. Weiters geht es nach jetzigem Stand auch in ein IFES-Sommercamp im Südwesten des Landes, wo junge Studenten und Schüler in Simulationen Krisensituationen durch kreatives Denken bewältigen müssen. Morgen, am ersten richtigen Arbeitstag (Beginn 08:30), werde ich sicher mehr erfahren können. Simon möchte auch gerne, dass ich ein Datenbank-Projekt übernehme, leider werde ich ihm wegen fehlendem Wissen diesbezüglich absagen müssen. In den Mittagspausen-Gesprächen und vielleicht auch bei späteren Tätigkeiten hoffe ich, mehr über die Organisation und die politische Situation in Zentralasien zu erfahren.
Erfreulicherweise klingelte auch schon mein Handy. Dank kirgisischer Sim-Card bin ich auch aus Europa problemlos zu erreichen und kann hier vor Ort besser Kontakt zu Leuten halten. Auch Shirin Akiner, meine Professorin aus London, werde ich hoffentlich bald sprechen können. Immer noch in Bischkek, ruft sie mich hoffentlich noch heute Nacht an, wie mir ihre Bekannte Elvira versicherte. Vielleicht ergibt sich ja auch das mögliche Interview mit Tschingis Aitmatow sehr bald.
July 02, 2004
Took off.. And stopped over

After a pleasant and sleepy flight, Istanbul is reached. First impressions are overwhelming and actually cry for a longer stay ın this fabled cıty. I spent some time strolling through the streets with two guys from Kurdistan who gave me a crash-course about everything.
Seeing them pray in the Blue Mosque was an undeniable sign that I left Christian Europe and arrived in a different hemisphere. Good, enough for tonight. My rusty hostel bed is calling. This is just a stopover.
April 23, 2004
Jobs
Nach einiger Zeit des Orientierens, Rumsuchens und Kontaktierens habe ich nun endlich einen kleinen Job an Land gezogen.

Bei openDemocracy werde ich erst einmal fuer einen Monat den Part des Frontpage-Editors uebernehmen. Das heisst dann in etwa einmal die Woche alle Artikel der vergangenen sieben Tage auf die Homepage bringen - Bildmaterial suchen, etc. Das macht dann in etwa 50% der Arbeit aus. In der restlichen Zeit soll ich dann die Organisation besser kennenlernen und Leuten wo es geht unter die Arme greifen. Der erste Eindruck ist auf jeden Fall klasse - engagierte Menschen (ca. 20), interessante Inhalte auf der Website und ein relaxtes Buero sollten die Arbeit also aeusserst angenehm machen.

Wo wir gerade von Demokratie sprechen: Fuer Bischkek hat sich endlich auch etwas konkretes ergeben. Dort werde ich fuer einige Wochen bei IFES (International Foundation for Election Systems) unterkommen. Das trifft sich ganz gut, da im naechsten Jahr Praesidentschaftswahlen in Kirgistan abgehalten werden. Die Hauptaugenmerke der Organisation liegen diesen Sommer in sog. public awareness - Programmen, d.h. Veranstaltungen an Universitaeten, Sommerkurse, etc. Interessant wird es bestimmt allemal.
Soweit so gut, bis zum 18. Mai werde ich wohl keine Zeit mehr finden, hier neues zu Zentralasien zu verfassen. Danach jedoch wird noch einmal kraeftig geackert, um die Zahl 10 bei den Hintergrundberichten zu packen.
By the way, meine Mutter hat mir einen Spitzen-Tip gegeben: Mr Aitmatow wird bestimmt im Sommer einige Wochen in seiner Heimat verbringen. Warum also nicht zu seinem Wohnort reisen, um ihn dort zu interviewen? Bei einem Gespraech mit meiner Professorin hat sich dann auch wieder ein lustiger Zufall ergeben: Zufaelligerweise ist Ms Akiner mit Ms Aitmatow befreundet...
March 31, 2004
Ausstellung

Eine aktuelle Ausstellung in Berlin verspricht interessante Einblicke in Bereiche, die ansonsten kaum Aufmerksamkeit in den Medien erhalten. Hier der Pressetext:
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Mit der Ausstellung "Vom roten Stern zur blauen Kuppel – Kunst und Architektur in Zentralasien" führt die ifa-Galerie Berlin die Ausstellungsreihe " Islamische Welten" fort.
Die Ausstellung, die von dem Architekten Philipp Meuser und Dr. Barbara Barsch kuratiert wurde, hinterfragt das Spektrum von Tradition und Moderne und gibt einen Eindruck von den gewaltigen Veränderungen, die sich im vergangenen Jahrzehnt in den orientalischen Teilen der ehemaligen Sowjetunion vollzogen haben.
ifa-Galerie Berlin
26. März – 30. Mai 2004
Eröffnung: Donnerstag, 25. März 2004, 19 Uhr
Seit der Unabhängigkeit des ehemaligen "sowjetischen Orients" ist eine junge Künstlergeneration herangewachsen, die sich in ihren Arbeiten Fragen der neuen Religiosität sowie der Re-Islamisierung der Gesellschaft und ihren Auswirkungen auf das Leben der Menschen widmet. Fragen der Tradition, Religion, des modernen Lebens und der Rolle der Frau stehen im Mittelpunkt der künstlerischen Reflexionen von Künstlerinnen und Künstlern wie Said Atabekov, Marina Lyubaskina, Galim & Zauresch Madanov, Erbol Meldibekov, Almagul Menlibaeva, Zitta Sultanbaeva & Ablikim Akmullaev sowie Elena & Victor Vorobyev. Sie verwenden Installationen, Fotografien und Videos, mit denen sie ihren Intentionen Ausdruck verleihen.
Die Rückbesinnung auf alte, islamische Traditionen und die damit verbundene Identitätssuche wird im Alltag vor allem auch in der neuen Architektur des ehemals "sowjetischen Orients" sichtbar. In zahlreichen Bauten, die seit 1991 in den Staaten Usbekistan, Kasachstan, Kirgistan, Turkmenistan und Tadschikistan entstanden sind, wechseln neo-historisierende Baustile und globalisierte Architektur-Moden einander ab.
Die Ausstellung zeigt neben Kunstwerken aus jüngster Zeit erstmals auch eine vergleichende Übersicht von etwa 50 Projekten zeitgenössischer Architektur in Zentralasien. Sie belegt aber auch, dass Islam und Tradition bereits während der Sowjetzeit eine zentrale Bedeutung in der architektonischen Gestaltung hatten. Es werden erstmals Entwurfszeichnungen von Nikolai Scharski zu sehen sein, der ab den späten Sechzigerjahren bis in die Achtzigerjahre zusammen mit seinen Brüdern Piotr und Alexander entscheidenden Einfluss auf die Fassadengestaltungen in den zentralasiatischen Sowjetrepubliken hatte und in einzigartiger Weise Traditionen islamischer Ornamentik mit der Formenwelt der Kunst des 20. Jahrhunderts und der Ikonografie der Sowjetgesellschaft verband. Diese Entwürfe, die noch nie der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden, bilden in der Ausstellung das Bindeglied zwischen Architektur und Kunst, zwischen Vergangenheit und Gegenwart.
Eine Ausstellung der ifa-Galerie Berlin.
Zur Ausstellung erscheint ein 80-seitiger Katalog.
Bilderreise Zentralasien

Im Rahmen meines Praktikums bei Lutz Kleveman fertigte ich sein persoenliche Website an, die relativ umfangreich ueber sein bisheriges Schaffen informiert. Ich dachte mir, einmal die Photoreportage ueber Zentralasien zu verlinken, da sie exzellente Eindruecke ueber die Gegend vermittelt und atemberaubende Ausblicke verspricht. Des weiteren, um einen besseren geographischen Ueberblick zu bekommen, koennte man sich die englischen Exzerpte aus 'The New Great Game' durchlesen, die auf der Homepage durch eine interaktive Karte erreicht werden koennen. Beides lohnenswerte Seiten. Die Karte hat uebrigens Rob Eisermann gemacht - in einer Radioshow in New York zeigte sich der Moderator begeistert von den vielen Moeglichkeiten und neuen Einblicken in die Aussenpolitik seines Landes, die sich einem bei einem einfachen Blick und Klick auf die Karte eroeffnen.
Links:
- Lutz' Photogallery Central Asia
- The New Great Game: Excerpts
March 29, 2004
Bischkek 2004

Der Flug ist gebucht. Am 2. Juli ist es soweit und meine erste "Expedition" nach Zentralasien beginnt. Nach einem kleinen Sightseeing-Zwischenstopp in Istanbul verabschiede ich mich von der westlichen Welt und setze Fuß auf ex-sowjetisches Territorium - und komme hoffentlich bereichert an Erlebnissen und Erfahrungen nach zwei Monaten wieder heim.
Bischkek ist eine weltweit nicht sehr bekannte Hauptstadt, manch einer mag sich an Frunse erinnern, wie die Stadt zwischen 1926 und 1991 hieß - manch einer mag sich aber auch fragen, über welches Land wir denn hier bitte überhaupt sprechen. Ehrlich: Ich wusste bis vor einiger Zeit auch nicht, wo Kirgisien/Kirgistan/Kirgisistan genau liegt, dass Bischkek die Hauptstadt ist und was einen sonst noch in dieser Region erwarten könnte.
Dann war ich Zivildienstleistender und oftmals mit viel Zeit für die Lektüre von Spiegel Online ausgestattet. Lutz Kleveman, deutscher Journalist meist in der englischsprachigen Hemisphäre aktiv, veröffentlichte dort einige Exzerpte seines Buches: "Der Kampf um das Heilige Feuer". Ich fragte ihn per Email nach einem Praktikum und habe seitdem immer gerne für ihn / mit ihm zusammen gearbeitet. Durch die Arbeit an konkreten Aufgaben habe ich einen ersten Überblick über die Region bekommen, im ersten Jahr hier in England konnte ich dann das Wissen in einem Kurs an meiner Universität dank einer bezaubernd weisen Professorin vertiefen.
Das Kaspische Meer und die angrenzenden Staaten sind mit seinen reichlichen Öl- und Gasvorräten ins Blickfeld der weltweiten Öffentlichkeit gelangt. Internationale Brisanz erhielten Nachrichten aus der Region nach 9/11 durch die geographische Nähe zu Afghanistan. Nach der Stationierung von ersten US-Truppen auf ex-sowjetischem Territorium verschärfte sich die Situation erheblich. Lutz' zweites Buch bringt dies auf einen Nenner: "The New Great Game. Blood and Oil in Central Asia" versucht die historische Analogie zur imperialen Rivalität zwischen zaristischem Russland und England im 19. Jahrhundert herzustellen. Ist ein 'neues großes Spiel' im Gange? Welchen Einfluss haben aussenpolitische Entwicklungen auf das Leben der normalen Menschen in Kirgisien? Das Land ist immerhin einzigartig, was das Umwerben von Supermächten betrifft: 30 Km von der amerikanischen Basis in Manas entfernt wurde im letzten Oktober das russische Pendant von Präsident Putin höchstpersönlich wieder eröffnet, nach 13 Jahren Pause. Unterdessen werden gemeinsame Manöver der chinesischen und kirgisischen Armee abgehalten - zum ersten Mal in der Geschichte des Reichs der Mitte, dass mit ausländischem Militär überhaupt zusammengearbeitet wird.

Neben den international geopolitischen Erwägungen sind natürlich auch die regional- und innerpolitischen Sachverhalte äußerst komplex. Die fünf Staaten Zentralasiens Kasachstan, Turkmenistan, Tadschikistan, Kirgisien und Usbekistan wurden 1991 unabhängig, abrupt losgelöst vom Zentrum Moskau - wirtschaftlich, politisch und ideell. Der steinige und aufregende Weg, auf dem sich die Länder befinden und über den sich im Jahr 2004 schon einiges festhalten lässt, wird mich auf meiner Reise beschäftigen und auf Schritt und Tritt begleiten. Hier hoffe ich, regelmäßig eine Art Tagebuch zu führen und die Erlebnisse mit vielen Bildern aus der Region zu verdeutlichen.


