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Tag 2 — Sonntag
Ein kühles Amstel lässt gerade diesen Tag ausklingeln, ein Tag, an dem sich meine biologische Uhr nunmehr an die Zeitverschiebung gewöhnt haben sollte. Die Broschüre im Flieger sagte: “Verbringen Sie die ersten Tage zu einem großen Teil an der freien Luft, so dass sich der Körper an den Lauf der Sonne gewöhnen kann. Dann sollten Dinge wie Jet-Lag und innere Unruhe schnell der Vergangenheit angehören.” Es stimmt. Es ist gerade mal um neun (also um fünf deutscher Zeit), und ich bin müde wie ein Hund. Wie auch in Bischkek letztes Jahr sieht die kasachische Initiationszeremonie innerhalb der ersten Tage eine ausgedehnte Bergwanderung vor.
Um Punkt Acht fuhr unser Reisebus dann auch schon los. Nach einigen Stops füllte er sich dann auch bis auf den letzten Platz – und ich sollte Zeuge eines wahrhaft russisch-kasachischen Touristen-Ausfluges werden. Dachte ich anfangs noch, dass wir nur von A nach B transportiert werden sollten und danach unserer eigenen Wege gehen sollten, wurde schnell klar, dass es sich um eine 100% durchgeplante Reiseaktion handelt. Die Crew bestand aus vier Leuten; dem Fahrer, dem Ansager (MC) und zwei Wanderbegleitern. Der MC machte danach auch seinem Namen alle Ehre: Die gesamte Fahrtzeit von 2 Stunden erzählte er uns (auf Russisch – also was weiß ich) von der Geschichte Kasachstans, afrikanischen Straußen, und Gott und der Welt.
Mit mir und Aidar unterwegs waren drei Mädchen – Farisa, Almira und Viktoria; zwei Kasachinnen und eine Halb-Tartarin. Zwei Wörter – super Mädels. Aufgeschlossen, spitzen Englisch – alles schick. Almira ist obendrein noch ein ausgesprochen gutes Anschauungsbeispiel warum Kasachstan als Land der schönsten Mädchen gilt… Die vierzigköpfige Reisegruppe erklamm dann zusammen die ersten Höhen und verteilte sich erst nach gut drei Stunden auf verschiedene Schattenplätze am Rande eines Gebirgsbaches. Die Mädchen haben dann wie auch schon in Kirgisien auf einmal zur Überraschung aller die besten Speisen aus ihren Rücksäcken gezaubert, so dass man nach dem Laben an der köstlichen Nahrung auch einmal ein kleines Schläfchen im Halbschatten einlegen konnte.
Nach einigen Stunden des Chillens, Badens (am Wasserfall) und des Herumlaufens war es dann wieder Zeit für den Abstieg. Wie schon beim bergauf-laufen erklärte ich mich bereit, den Rucksack einer lieben Kasachin zu tragen, die noch mehr Speisen als unsere Mädchen dabei hatte. Deshalb tut wahrscheinlich auch mein Rücken so weh. Nach einigen bezaubernden Blicken über das weite Tal zu unseren Füßen ging es wieder ab in den Bus, so dass wir gegen 7 wieder bei Aidars Familie eintrafen. Hier gab es wie immer leckeres Abendbrot, lockere Russisch-Konversation, und einen Haufen Lacher. Eigentlich geht’s mir doch ganz gut hier. Sehen wir mal, wie das aussieht, wenn ich in einer Bank arbeite…
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